Bastelfieber

Gestern hatte mich das Bastelfieber gepackt und ich musste unbedingt etwas werkeln! Da mir unser aus China mitgebrachtes Cha Pan schon lange als zu klein erschien, entschied ich mich kurzerhand ein größeres selbst zu bauen!

Cha was?

Ein Chá Pán (茶盘) ist ein Tee-Tablett, welches zumeist bei der Zubereitung von Tee im Gongfu-Stil Verwendung findet. Seine wesentliche Aufgabe liegt darin, überschüssiges Wasser aufzufangen. Es besteht in der Regel aus zwei Teilen: Einer wasserdurchlässigen Oberfläche, auf die man das Teegeschirr platziert, und einer Auffangschale, in die das überschüssige Wasser abtropfen kann. Viele Cha Pan verfügen zudem noch über einen Schlauch, über den das gesammelte Wasser in ein anderes Gefäß oder sonst wohin abgeleitet werden kann.

Wenn man Tee im Gonfu-Stil zubereitet, spart man für Gewöhnlich nicht mit Wasser: Alle Becher, Töpfe und sonstige Utensilien werden wiederholt in heißem Wasser und Tee gewaschen, um sicherzustellen, dass die richtige Temperatur während der tatsächlichen Teezubereitung aufrechterhalten wird. Ein Tee-Tablett mit einem Sammelbehälter erweist sich hier als sehr praktisch. Es verhindert, dass das heiße Wasser vom Tisch auf die Füße tropft.

Cha Pan basteln leicht gemacht

Naja, das dachte ich mir zumindest. Der Tag fing an mit “So schwer kann das nicht sein!” und “Das wäre ja gelacht, wenn…” Sämtliches benötigte Werkzeug (Elektrosäge, Holzfeilen, Akkuschrauber, Holzbohrer-Set, Schrauben, Metermaß) hatte ich bereits da, also fuhr ich in den Baumarkt, um die mir noch fehlenden Materialien für unser neues Cha Pan zu besorgen:

Cha Pan


8 Stunden | ~70,-€ | 1 Cha Pan

  • Holzbretter
  • Holzlack
  • Topf-Untersetzer (zu finden in der Gartenabteilung)
  • Anti-Rutsch-Noppen

Die erste Herausforderung bestand darin, ein geeignetes Holz auszusuchen. Im dritten Baumarkt wurde ich in der Gartenabteilung fündig, wo zwei Meter über meinem Kopf lange Bambusbretter für die Terrassen-Unterkonstruktion lagerten. Einen Gabelstapler später hielt ich die guten Bretter in meinen Händen und staunte nicht schlecht: von Wegen Bambus ist leicht! Es waren etwa acht Kilo! “Hm, ok, dann wird es halt ein sehr stabiles Cha Pan.”

An die Arbeit!

Nach dem Shopping ging es erst mal ans Abmessen. Die Bretter mussten als Gitter exakt die Auffangschale überdecken. Die Auffangschale sollte sich von der Seite unter das Tablett schieben lassen und darunter ganz dicht am darüber liegenden Gitter Platz finden, sodass es sämtliches abtropfende Wasser gut auffangen konnte und zudem möglichst unauffällig war.

Nach dem Abmessen griff ich endlich zur Elektrosäge. Das Bambusholz erwies sich erwartungsgemäß als sehr hart und robust (Bambusholz hat übrigens eine höhere Dichte als Eiche!). Beim Sägen hatte ich teilweise Angst, dass mir die Säge gleich um die Ohren fliegt. Ich zerlegte jedes Brett jeweils in zwei größere Teile (für die Gitteroberfläche), einen etwas kleineren Teil (für den Unterbau) sowie die kleinen Endstücke (aus diesen entstanden Untersetzer für Tassen). Nach der Sägearbeit war ich ganz schön geschafft. “Das Schwerste habe ich hinter mir”, sagte ich mir.

Was für ein Irrtum! Die erste Bohrung ging schief, da mir der Bohrer direkt im vier Zentimeter dicken Holz abbrach. Ich spielte eine Weile mit dem Gedanken Holzleim zu verwenden, gab diesen aber wieder auf. Kein Leim der Welt hätte die insgesamt acht Kilo massives Holz zusammenhalten können. Also wagte ich einen zweiten Bohrversuch und kombinierte dabei Bohrungen mit zunächst einem schmalen, dann einem breiteren Bohrer, jeweils nicht zu tief, sodass sich der Widerstand in Grenzen hielt. Die Strategie ging auf! Der Holzstaub explodierte mehrmals während den Bohrungen in den Bohrlöchern und ich war froh, eine Schutzbrille getragen zu haben.

Vor dem Verschrauben der Bretter säuberte ich alle Oberflächen, feilte alle scharfen Kanten ab und lackierte die Flächen ein, an denen ich die Bretter zersägt hatte. Da die Holzbretter sehr dick waren, gestaltete sich auch das Verschrauben der Bretter als sehr mühsam. Eine Schraube verlor ihren Kopf. Möge sie in Frieden in unserem neuen Cha Pan ruhen!

Geschafft!

Mit viel Stolz gab ich Ning-Ning bekannt, dass unser neues Cha Pan von mir fertiggestellt worden sei. Sie zögerte keine Sekunde und kippte mit reichlich Schwung direkt ein Glass Wasser drüber. Ein paar Tropfen gingen zwar daneben, aber sie zeigte sich zufrieden.

Ich selbst mag unser neues Cha Pan sehr. Es riecht angenehm nach Bambusholz, sieht ganz nett aus und ich habe es selbst mit viel Mühe und Fleiß gebaut.

Der Autor

Boris Diakur

ITMA Certified Tea Sommelier

Boris erfreut sich sowohl an kräftigem schwarzen Tee als auch an sanftem weißen Tee. Neuerdings hat er seine Vorliebe für seltenen koreanischen Tee entdeckt.

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